Rezension: Wenn du dich traust

Violetta Leiker | Sonntag, 2. Dezember 2018 |

Buchtitel: Wenn du dich traust
Autor: Kira Gembri
Verlag: Arena
Seiten: 336
Format: Softcover
Preis: 12,99 €




Klappentext
Lea zählt - ihre Schritte, die Erbsen auf ihrem Teller, die Blätter des Gummibaums. Sie ist zwanghaft ordentlich und meistert ihren Alltag mit Hilfe von Listen und Zahlen. Jay dagegen lebt das Chaos, tanzt auf jeder Party und hat mit festen Beziehungen absolut nichts am Hut. Niemals würde er freiwillig mit einem Mädchen zusammenziehen, schon gar nicht mit einem, das ihn so auf die Palme bringt wie Lea. Und Lea käme nie auf die Idee, mit Jungs zusammen zwischen Pizzakartons und Schmutzwäsche zu hausen. Sonnenklar, dass es zwischen den beiden heftig kracht, als sie aus der Not heraus eine WG gründen ...

(Quelle: Arena)

Meine Meinung
Leas Eltern wissen nicht weiter. Ihre Tochter kämpft täglich mit Zwängen und Ängsten und bringt damit sich und andere in Gefahr. Kurzerhand wird Lea in eine Klinik verfrachtet, wo sie auf den draufgängerischen Jay trifft, der dort seine Sozialstunden abarbeitet. Als sich Lea die Gelegenheit bietet, aus der Klinik zu flüchten, ergreift sie die Chance. Jay lässt die 19-Jährige widerwillig in seiner WG wohnen. Dass gerade die ordentliche Lea sein Leben dermaßen auf den Kopf stellen würde, hätte er nie vermutet ... 

Die Geschichte wird abwechselnd aus zwei Perspektiven erzählt: Jays und Leas. Dazu kommt es immer eine lustige Überschrift, die zum jeweiligen Charakter passt. Der Autorin ist es fabelhaft gelungen, die "Stimmen" der beiden Figuren unterschiedlich klingen zu lassen. Obwohl beide Perspektiven in der Ich-Form verfasst sind, kann der Leser Jay an seiner derben Ausdrucksweise sofort erkennen. Der Schreibstil ist flüssig und leicht und trägt den Leser flott durch die Kapitel. 

Lea ist ein ganz besonderer Charakter. Sie leidet seit Jahren an Zwängen, die sie alles zählen lassen, was ihr in die Hände fällt, seien es die Erbsen auf ihrem Teller oder die Blätter eines Gummibaums. Durch das Zählen bildet sich Lea ein, Kontrolle zu haben, da sie sich vor vielen Dingen fürchtet. Jay tut ihr gut. Er hilft ihr unbewusst, wahre Kontrolle über ihr Leben zurückzuerlangen, während sie die guten Seiten in dem Kleinkriminellen zum Vorschein bringt. Beide liefern sich ständig einen unterhaltsamen Schlagabtausch, der mich des Öfteren zum Schmunzeln gebracht hat. 

Über psychische Erkrankungen zu schreiben, ist sicher nicht leicht. Die Autorin hat dies jedoch realistisch dargestellt, indem sie gezeigt hat, dass viele Menschen Vorurteile gegenüber Menschen wie Lea haben, sich vor ihnen fürchten oder sie mies behandeln, weil sie sie für verrückt halten, aber auch, dass psychische Erkrankungen nicht unbezwingbar sind, wenn man sich von anderen helfen lässt. Auch Jay verhält sich Menschen wie Lea anfangs nicht unvoreingenommen, doch je mehr Zeit sie miteinander verbringen, desto besser versteht er Lea und ihre Ängste und verliebt sich in sie. 

Dieses Buch ist jedoch keine reine Liebesgeschichte. Es gibt oberflächliche Zicken, falsche Freunde, einen Drogenboss inklusive brutaler Schläger und innere Dämonen, die Jay und Lea das Leben zusätzlich erschweren. Die Entwicklung beider Figuren ist nachvollziehbar, nur die Zeitspanne von drei Wochen, in der die Geschichte spielt, war mir persönlich zu kurz, um Welten veränderte Gefühle füreinander zu entwickeln.

Fazit
Unterhaltsames Buch mit aus dem Leben gegriffenen Figuren, tiefgründigen, zum Nachdenken anregenden Themen und einer süßen Liebesgeschichte zwischen zwei außergewöhnlichen Charakteren, die man sofort ins Herz schließt. 


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