Rezension: Die Rückkehr der Zehnten

Violetta Leiker | Samstag, 23. Juni 2018 |

Buchtitel:
Die Rückkehr der Zehnten
Autor: Nina Blazon
Verlag: Ueberreuter
Seiten: 360
Format: Hardcover
Preis: Nur noch gebraucht erhältlich!




Klappentext
Ein Amulett aus dem Meer führt die Zwillinge Lis und Levin in die uralte Stadt Antjana, die sich in Vollmondnächten aus den Fluten erhebt. Gefangen in einer vergangenen Zeit und einer Welt voller Magie und Götterkult müssen die Zwillinge bald um ihr Leben fürchten, denn innerhalb der Stadtmauern hat der despotische Priester Niam die Macht an sich gerissen und vor den Toren lauert die zehnte Tochter der Stadt mit ihren Piraten. Einst sollte sie in Antjana dem Feuergott Poskur geopfert werden. Nun ist sie zurückgekehrt, um Rache zu nehmen.

(Quelle: Amazon)

Meine Meinung
Die Zwillinge Lis und Levin verbringen ihre Ferien bei ihren slowenischen Verwandten am Meer und entdecken durch Zufall ein uraltes Amulett. In derselben Nacht gibt das Wasser einen Holzpfad frei, der die Geschwister in die Stadt Antjana führt, in der die Menschen noch an Götter und Magie glauben. Sie geraten mitten hinein in einen Krieg zwischen den Priestern Poskurs und der Desetnica, der zehnten Tochter des Fürsten, die als Kind verstoßen wurde, da sie für eine Unglücksbringerin gehalten wurde. Levin geht in seiner Rolle als Hohepriester Swantewits auf und scheint nach und nach die Erinnerungen an sein wahres Leben im 21. Jahrhundert zu vergessen. Doch das kann Lis auf keinen Fall zulassen und sucht mithilfe der Rebellen und Matej, dem Jungen mit den Grübchen, nach einem Weg in ihre Zeit. Werden die Zwillinge rechtzeitig wieder nach Hause finden oder von Poskurs Flammen verschlungen werden, wie die alte Zlata es prophezeit hat? 

Für diese Geschichte wählte Nina Blazon (meine Lieblingsautorin) den personalen Erzählstil. Aus Lis' Perspektive erfährt der Leser am Anfang die Umstände, warum die Zwillinge mit ihrer Mutter zu ihren Verwandten gekommen sind. Magisch wird es erst, als Lis und Levin das Medaillon finden, das ihnen den Weg nach Antjana ebnet. Doch Langeweile kommt nie auf, da der Erzählstil fesselnd und Lis' Gedankengänge interessant sind, sodass man sich sehr gut mit der Sechszehnjährigen identifizieren kann. 

Fantasy ist nicht gleich Fantasy, das beweist Nina Blazon auch mit diesem frühen Werk. Auf wundersame Weise landen Lis und Levin in der Vergangenheit, schätzungsweise dem 10. Jahrhundert. In Antjana, in der die Menschen eine Sprache sprechen, die der slowenischen sehr ähnlich ist, glauben die Bewohner noch an Götter und sind sehr abergläubisch, was zur Verstoßung der zehnten Tochter des Fürsten Dabog geführt hat. Lis und Levin treffen sogleich auf die Rebellen, die Kuriere der Desetnica, und helfen tatkräftig dabei, den Priester Niam, der inoffiziell über Antjana herrscht, seiner Macht zu berauben. Leider verläuft nicht alles nach Plan, denn Levin steigert sich so sehr in seine Rolle als Hohepriester Swantewits hinein, dass die Erinnerungen an sein altes Leben nach und nach verblassen. 

Der Leser trifft auf vielschichtige Charaktere, auf Prinzessinnen, hinterlistige Novizen, weise Seherinnen und viele mehr. Geheimnisse, die es zu lüften gilt, und überraschende Wendungen sorgen für Spannung, sodass ich das Buch nur ungern aus der Hand gelegt habe. Der Aspekt der Propezeihungen, der Götterverehrung und der historisch angelehnten Stadt, in der die Zwillinge landen, machen das Buch zu einem Lesevergnügen besonderer Art. Etwas Vergleichbares habe ich noch nicht gefunden. 

Lis habe ich sofort ins Herz geschlossen. Sie macht eine unglaubliche Entwicklung durch. Vom schüchternen Mädchen mit Minderwertigkeitskomplexen, die immer im Schatten ihres gut aussehenden Zwillingsbruders steht, wird sie zur Hoffnungsträgerin Antjanas und entdeckt Fähigkeiten und Kräfte, die sie sich nie zugetraut hätte. Auch über eine Liebesgeschichte am Rande des Geschehens dürfen sich die Leser freuen.

Fazit
Ein Fantasy-Buch der besonderen Art. Die Welt, in die Nina Blazon ihre Leser entführt, ist historisch und doch magisch. Götter, Prophezeiungen, Geheimnisse, liebevoll gestaltete Figuren und ein mitreißender Schreibstil machen das frühe Werk der Autorin zu einem wahren Pageturner und einer Geschichte, die man nicht so leicht wieder vergisst. 


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