Rezension: Straßenkötergene

Violetta Leiker | Donnerstag, 12. April 2018 |

Buchtitel: Straßenkötergene
Autor: Julia Seuschek
Verlag: Drachenmond
Seiten: 230
Format: Softcover
Preis: 12,90 €






Klappentext
Lou mutiert mit dreizehn Jahren völlig unerwartet zu einem reinblütigen A-Menschen. Als ihr Vater – wie der Rest ihrer Familie ein einfacher B-Mensch – von der Königsfamilie ermordet wird, schwört Lou Rache. Verkleidet als Junge tritt sie in den Dienst ihrer royalen Gegner.
Ausgerechnet Königssohn Jared stiehlt sich in das Herz der Rebellentochter und Lous Welt steht Kopf. Gibt sie Jared auf, um das System zu stürzen oder verrät sie ihre Herkunft für die Liebe ihres Lebens?


(Quelle: Drachenmond Verlag)

Meine Meinung
Irgendwann in der Zukunft: Es gibt zwei Rassen von Menschen, die reinblütigen A-Menschen und die B-Menschen, die von der Elite wie Dreck behandelt werden. Wider Erwarten mutiert Lou zu einem A-Menschen, obwohl ihre Familie aus B-Menschen besteht. Um das ungerechte System zu stürzen, schleust sich das Straßenmädchen als Diener ins Königsschloss ein, verkleidet als Junge. Sie will nach Informationen suchen, um die Königsfamilie zu entmachten, doch leider begegnet ihr Jared, der rebellische Prinz, und bringt Lous Pläne gehörig durcheinander ... 

Die Geschichte wird zum größten Teil von Lou in der Ich-Perspektive erzählt. Später gibt es auch vereinzelt Szenen aus Sicht des Königs oder der Königin sowie Jareds. Anfangs erfährt der Leser von Lous Leben auf der Straße und den Regeln, der diese Welt unterliegt. Leider geht die Autorin sehr sparsam mit Informationen um, sodass ich mir dieses Zukunftsszenario nur spärlich vorstellen konnte. Die Geschichte spielt in einer Zukunft, in der die Menschen in der Pubertät entweder zu Typ A oder Typ B mutieren, gleichzeitig herrscht Monarchie, was für mich irgendwie nicht zusammengepasst. Es wird weder erklärt, warum die Menschen begonnen haben, sich zu verändern, noch wie es zur Machtübernahme durch die A-Menschen kam. Die Idee hat definitiv Potential, wirkt aber unausgereift und nicht durchdacht. 

Nachdem Lou, verkleidet als Junge, im Schloss ankommt und auf Jared trifft, ist es auch mit der Spannung vorbei. Man merkt, dass die Autorin besonderen Spaß daran hatte, das Geplänkel zwischen Lou und Jared zu schreiben, da das Buch aus fast nichts anderem besteht. Leider konnte ich auch mit dem Humor der Autorin nichts anfangen. Jared, der zu dämlich ist, Lous schlichte Maskerade zu durchschauen, verliebt sich in den vermeintlichen Jungen und versucht ab da vehement, auf Abstand zu gehen. Aber wie es der Zufall so will, laufen sich die beiden ständig über den Weg, beleidigen sich auf kindischste Weise, beteuern ihre gegenseitige Liebe auf schmalzigste Weise und damit ist die gesamte Handlung bereits zusammengefasst. Lou wirft ständig mit Glückskeksweisheiten um sich, während Jared so oft weint - ohne ersichtlichen Grund - dass die Schlossbewohner längst ertrunken sein müssten. 

Keine der Figuren hat Tiefe oder scheint ein wenig Grips zu haben. Lou verliert prompt ihren Plan aus den Augen, weil nur noch Jared in ihrem Kopf herumspukt. Zwischen Jared, Jared und Jared hat die Autorin ein paar ernsthafte Themen aufgefasst, wie Kindesmisshandlung durch den eigenen Vater bzw. Stiefvater. Alles wirkte jedoch inszeniert und unglaubwürdig. Als hätte die Autorin versucht, der Geschichte mit Gewalt Tiefe zu verleihen. 

Es wimmelt von Logikfehlern, die so gravierend sind, dass ich mich ernsthaft frage, ob das Manuskript vor dem Druckauftrag überhaupt im Lektorat war. Die gesamte Geschichte wirkt so, als wäre ein hastig abgetipptes Manuskript ohne nochmalige Überarbeitung aus Versehen in den Druck geraten. Kaum zu glauben, dass das das Werk eines Verlages ist. Außerdem zieht Lou häufig Vergleiche zwischen Dingen, die sie eigentlich in der fernen Zukunft, in der die Geschichte spielt, gar nicht kennen dürfte. Tom & Jerry, Playlist, Sherlock Holmes, das Gefühl, einen Liebesroman in einer Nacht zu lesen ... Woher zum Geier soll ein Straßenkind so etwas kennen?

Auch das Ende empfand ich als unbefriedigend und verwirrend. Ich habe bis zum Schluss nicht verstanden, was denn jetzt aus der Rebellion geworden ist. Einen roten Faden sucht man vergeblich. Alle halbwegs interessanten Handlungsstränge verlaufen im Sande, sobald Jared die Bühne betritt. 

Fazit
Tolle Grundidee trifft katastrophale Umsetzung. Der Klappentext hält leider nicht das, was er verspricht. Statt einer Rebellion gibt es non-stop schmalziges und SEHR kindisches Liebesgeplänkel zwischen Lou und Jared, zahlreiche Logikfehler und einen verwirrenden Schreibstil. Verschenktes Potential! Schade! 


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