Rezension: Für dich soll's tausend Tode regnen

Violetta | Dienstag, 30. Januar 2018 |

Buchtitel: Für dich soll's tausend Tode regnen
Autor: Anna Pfeffer
Verlag: cbj
Seiten: 320
Format: Softcover
Preis: 14,99 €





Klappentext
Wer Emi auf die Nerven geht, dem verpasst sie in Gedanken eine Todesart. Und seit dem Umzug weiß sie nicht, wer mehr nervt: die Neue ihres Vaters, die sich ernsthaft in der Mutterrolle sieht, ihr Strahlemann von Bruder, der das auch noch gut findet (stirbt bestimmt mal, weil er auf seiner Schleimspur ausrutscht), oder Erik, Alphatier an ihrer neuen Schule, der einen auf cool macht und sie ständig provoziert (stirbt garantiert an einem Hirntumor wegen übermäßigen Handykonsums). Als sie sich in Chemie mit Alpha-Erik anlegt, kracht es wortwörtlich zwischen den beiden. Die Strafe dafür sind acht Samstage Graffiti schrubben. Mit Erik! Kann das Leben noch beschissener sein? Um aus der Nummer rauszukommen, schlägt Emi einen Wettstreit vor. Doch Erik ist nicht kleinzukriegen. Emi wünscht ihm tausend Tode an den Hals, bis sie merkt, dass es gar nicht so nervig ist, Zeit mit Erik zu verbringen …

(Quelle: Verlagsgruppe Random House)

Meine Meinung
Emi findet ihr Leben beschissen, vor allem jetzt, da sie mit ihrem Therapeutenvater und ihrem Sonnenschein von Bruder ins verregnete Hamburg gezogen ist, weit weg von ihrer einzigen Freundin Charlie. Dass die Neue seines Vaters, Mara, bei ihr Zuhause ständig ein- und ausgeht, macht die Sache auch nicht besser. Emi, der Pessismismus in Person, verbringt ihre Zeit am liebsten damit, sich skurrile Todesarten für ihre Mitmenschen auszudenken, sei es für ihre Klassenkameraden, vorbeilaufende Passanten oder ihren nervigen Bruder. Außerdem sammelt sie seit dem Tod ihrer ehemaligen Nachbarin Zeitungsartikel der morbidesten Arten zu sterben in ihrem schwarzen Buch, ohne das sie das Haus nie verlässt. Da ist es nicht erstaunlich, dass ihre Klassenkameraden einen weiten Bogen um Emi machen. Als sie sich mit Erik anlegt, dem verschlossenen, gut aussehenden Schulschwarm, der für seine Gewaltbereitschaft berüchtigt ist, gibt es mächtige Konsequenzen. Doch Emi hat keineswegs vor, acht Samstage ihres Lebens damit zu vergeuden, Graffiti von Wänden und Garagen zu schrubben. Sie schlägt Erik eine Challenge vor, bei dem der Gewinner vom Graffitischrubben befreit wird. Doch Erik gibt nicht klein bei und während dieses Wettstreits lernt Emi eine ganze andere Seite von Erik kennen, eine, die ihr Herz höher schlagen und ihr Leben weniger beschissen erscheinen lässt. Doch empfindet Erik genauso? 

Dieses Buch habe ich bei einer Verlosung gewonnen und weil der Klappentext so lustig klang, musste ich auch recht bald mit dem Lesen beginnen. Die Geschichte erzählt Emi aus der Ich-Perspektive. So konnte ich nicht nur die Emi kennenlernen, die ihre Mitschüler sehen, sondern ein sarkastisches, schlagfertiges Mädchen, das nicht ans Glücklichsein glaubt. 


Ich habe Emi sofort ins Herz geschlossen. Obwohl sie sich nach außen hin cool gibt, leidet sie durch die Trennung von ihrer einzigen Freundin und ist im Grunde sehr einsam, was sie natürlich niemals zugeben würde. Sie ist außergewöhnlich, passt nicht ins Schema und findet deshalb keine Freunde an ihrer neuen Schule - nicht, dass sie sich ernsthaft auf die Suche gemacht hätte. Als sie das erste Mal auf den berüchtigten Erik trifft, kuscht sie keineswegs vor ihm - was ihn sichtlich zu überraschen scheint - sondern legt sich mit ihm an. Leider gibt es bei einer zweiten Auseinandersetzung explosive Folgen, für die die beiden mit ihren Samstagen bezahlen müssen. 

Auch die Nebenfiguren waren mir alle sympathisch, allen voran Erik, den man anfangs schlecht einzuschätzen weiß, da schlimme Gerüchte über ihn und seine Familie in der Schule kursieren. Obwohl er und Emi auf den ersten Blick verschieden sind, haben sie sehr viel gemeinsam. Dass er selbst Emis merkwürdiges Hobby unterstützt, macht ihn umso liebenswürdiger. 

Besonders hervorheben möchte ich die Dialoge, die den beiden Autorinnen sehr gelungen sind. Der Schlagabtausch zwischen Emi und ihrem Bruder Oliver oder mit Erik haben mich ein ums andere Mal zum Lachen gebracht, so wie viele Szenen im Buch, da der Schreibstil nur als genial bezeichnet werden kann. Ich habe schon lange kein so humorvolles Buch in den Händen gehalten. Und obwohl der Tod ein zentrales Thema dieser Geschichte ist, ist es den beiden Autorinnen gelungen, das Thema durch Emis Sarkasmus und die skurrilen Todesarten, die sie sich für andere ausdenkt, abzuschwächen. 

Das Ende war nicht überraschend. Dafür war der Weg, den die beiden Hauptfiguren gegangen sind, um einander kennenzulernen und Gemeinsamkeiten festzustellen, stets spannend, lustig und zum Schluss hin sogar gefühlvoll. 

Fazit
Ein wunderbares, Buch mit liebenswerten Charakteren, einer ungewöhnlichen Hauptfigur mit noch ungewöhnlicherem Hobby, das durch großartigen Sarkasmus, Humor und einen ausgeklügelten, nie langweilig werdenden Plot aus der breiten Masse der Jugendbücher hervorsticht. Eine Packung Taschentücher sollte bereitgehalten werden, um die vielen Lachtränen fortzuwischen. 



Kommentare:

  1. Hey, Violetta,

    ich fand das Buch auch echt klasse und deine Rezi bringt es auf den Punkt. Ich hoffe, dass auch dieses Jahr von dem Autorenduo wieder etwas erscheinen wird. New York zu verschenken fand ich auch toll - kennst du das?

    LG, Claudia :)

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    1. Hallo Claudia,

      "New York zu verschenken" kenne ich nicht, aber ich will nach diesem Highlight weitere Bücher dieses Autorenduos lesen, auch die, die sie unter dem Pseudonym Rose Snow veröffentlichen. Besonders der Humor hat es mir angetan.

      Liebe Grüße
      Violetta

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  2. Huhu =)
    Schöne Rezension. Bei dem Buch bin ich mir schon länger nicht sicher, ob es was für mich ist, aber jetzt bin ich echt neugierig =) Vielleicht schau ich mal in der Bibo danach, dann besteht kein Risiko =D

    Liebste Grüße, Miss PageTurner

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    1. Hi Miss PageTurner!

      Ich empfehle das Buch unbedingt weiter! Aber wenn du dir unsicher bist, ist es wahrscheinlich wirklich besser, es nur zu leihen und nicht gleich zu kaufen. So hätte ich mir viele Fehlkäufe erspart!

      Liebe Grüße
      Violetta

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