Rezension: Marmorkuss

Violetta Leiker | Freitag, 22. September 2017 |

Buchtitel: Marmorkuss
Autor: Jennifer Benkau
Verlag: script5
Seiten: 432
Format: Hardcover
Preis: 18,95 €





Klappentext
Jarno, ein rastloser Underdog, küsst ein Dornröschen aus dem letzten Jahrhundert wach – und wird mit ihr in einen Strudel aus Liebe und Gefahr gezogen. Ein berührender Roman mit zwei Liebenden aus verschiedenen Zeiten, meisterhaft erzählt.

Er war ihr in einer alten, mit Rosen überwucherten Villa begegnet – der geheimnisvollen Figur aus weißem Marmor. Und Jarno hatte sich tatsächlich beim Fotografieren der steinernen Schönheit ein bisschen in sie verliebt. Wie verwirrt ist er nun, als nach seinem schüchternen Kuss eine lebendige junge Frau vor ihm steht, die weder elektrisches Licht noch zerrissene Jeans kennt und offenbar hundert Jahre geschlafen hat.


Es beginnt eine märchenhafte Liebesgeschichte und gleichzeitig ein Spiel auf Leben und Tod. Denn Jarno ist kein Prinz – im wirklichen Leben steckt er tief in einem Sumpf aus Verbrechen ...


(Quelle: script5)


Meine Meinung
Um bei einer Ausschreibung zu gewinnen, jagt Jarno, ein mittelloser 19-Jähriger, dem perfekten Foto hinterher. Eines Tages landet er dabei in einer verlassenen Villa und entdeckt sie: Die Marmorstatue einer Frau. Ohne es zu planen, erweckt Jarno die Statue zum Leben. Doch Jarno ist weit davon entfernt, ein Prinz zu sein ... 

Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt: Aus Jarnos im personalen Erzählstil und aus Klaras in der Ich-Form. Anfangs hat sich die Autorin viel Zeit genommen, um dem Leser die Figuren näher zu bringen. Wir lernen Jarno kennen, erleben, wie er immer tiefer in dunkle Machenschaften verstrickt wird. Auf der anderen Seite haben wir die brave Klara, die aus einer anderen Zeit stammt und von einer merkwürdigen Frau verfolgt wird. Obwohl in den ersten Kapiteln nicht viel Spannung aufkommt, war mir keineswegs langweilig, was am großartigen Schreibstil der Autorin lag. Jennifer Benkau beschönigt nichts, ihr Stil ist unverblümt und erfrischend. Gleichzeitig verwendet sie stets passende Vergleiche und Metaphern, die ich zuvor nie gehört habe. Besonders ist auch, dass der letzte Satz eines jeden Abschnitts aus Jarnos Perspektive der erste Satz des nächsten Abschnitts ist, der von Klaras Erlebnissen berichtet. Das fand ich sehr kreativ und ich habe ein solches Sprachmittel noch in keinem anderen Buch entdeckt. 

Besonders gefallen hat mir, dass die Autorin als Setting Deutschland gewählt hat, eine heruntergekommene Kleinstadt in der Nähe Berlins. Die Beschreibungen waren realistisch und anschaulich. Ich konnte mir Jarnos und Klaras Welten sehr gut vorstellen. 

Alle Charaktere, die Jennifer Benkau erschaffen hat, waren authentisch. Ob der gönnerhafte Ganove Daniel, die feministische Seval oder Ben, Jarnos Gras rauchender bester Kumpel, sie alle wirkten real. Keineswegs wie Romanfiguren. In Jarno konnte ich mich sehr gut hineinversetzen. Er stammt aus ärmlichen Verhältnissen, raucht zu viel und katapultiert sich ständig in Schwierigkeiten, weil er erst handelt, dann nachdenkt. Es war schön, einmal ein Jugendbuch zu lesen, in dem der männliche Protagonist kein Bad Boy ist, der seinen weichen Kern erst durch das Eingreifen eines unscheinbaren Mauerblümchens offenbart. Jarno hat Ecken und Kanten, Schwächen und Zweifel, die er nicht hinter einer Maske verbirgt. Auch Klara ist eine tolle Figur, deren Handlungen für mich stets nachvollziehbar waren. Im Laufe der Geschichte macht sie eine große Entwicklung durch. Anfangs ängstlich, stellt sie sich am Ende tapfer ihrem Schicksal. 

Besonders hervorheben will ich noch den Humor der Autorin. Dadurch, dass Klara aus einer anderen Zeit stammt, kennt sie viele Dinge nicht, die in der heutigen Zeit als normal gelten. Internet, Autos, Fernsehapparate ... Das führte zu witzigen Situationen und Dialogen, die mich zum Lachen brachten. 

Auch die Liebe kommt nicht zu kurz. Diese entwickelt sich nach und nach und ist romantisch und realistisch. Es handelt sich hierbei nicht um die flatterhafte Verliebtheit, die oft in anderen Jugendbüchern anzutreffen ist, sondern um die wahrhaftige Liebe, die von beiden Seiten gleichermaßen erwidert wird. 

Fazit
Bei "Marmorkuss" handelt es ich um eine ungewöhnliche Märchenadaption, die durch Romantik, Spannung und authentische Charaktere besticht. Ich fühlte mich in Jarnos und Klaras Welten gut aufgehoben und genoss einige sehr unterhaltsame Stunden mit dieser Lektüre, die ich ganz klar empfehle. 

Kommentare:

  1. Hallo liebe Violetta,

    ich habe dieses Buch vor etwa einem Jahr gelesen und mochte es auch. Das stilistische Mittel mit den absatzübergreifenden Sätzen fand ich ziemlich cool, dazu die lebensechten, vielschichtigen Charaktere mit Ecken und Kanten ... Anfangs hatte ich Angst, Klara sei so naiv wie das oft in Geschichte ist, in denen der Charakter in eine andere Zeit versetzt wird, umso überraschter war ich, wie viel Stärke sie zeigt und wie schnell sie sich dann doch behauptet. ^^^

    Schöne Rezi. :)

    Liebe Grüße ♥

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    1. Liebe Dana!

      Jennifer Benkau hat wirklich einen außergewöhnlichen Stil. Mir jedenfalls gefällt er wirklich gut. "Wenn wir fallen" und "Himmelsfern" sind, nachdem ich "Marmorkuss" beendet habe, sofort auf meiner Wunschliste gelandet.

      Liebe Grüße
      Violetta

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