Rezension: Der Winter der schwarzen Rosen

Violetta Leiker | Donnerstag, 11. Januar 2018 |

Buchtitel: Der Winter der schwarzen Rosen
Autor: Nina Blazon
Verlag: cbt
Seiten: 544
Format: Hardcover
Preis: 16,99 €





Klappentext
In einer Festung, geschützt durch dunkle Magie, suchen die Zwillingsschwestern Tajann und Lili Zuflucht vor ihren Verfolgern. Die eine Schwester versteckt sich hier mit dem Junglord Janeik, um ihre verbotene, aber leidenschaftliche Liebe leben zu können. Die andere ist auf der Flucht vor der zerstörerischen Liebe eines Gestaltwandlers. Doch mit den dunklen Mächten spielt man nicht. Das beginnen auch Tajann und Liljann bald zu ahnen. Denn etwas lauert in den Mauern, etwas Unberechenbares, etwas Böses ...

(Quelle: Verlagsgruppe Random House)

Meine Meinung
Die Zwillinge Tajann und Liljann könnten unterschiedlicher nicht sein. Während die zweitgeborene Tajann über Leichen geht, um ihre Ziele zu erreichen, fürchtet sich die ältere Liljann vor dem Tag, an dem sie aufgrund einer Tradition ins Grauland ziehen muss, in dem es von Ungeheuern nur so wimmelt. Zum Glück trifft sie auf Volok, die Schattenhand von Lady Jamala, der Herrscherin des Landes Taris, der sich unsterblich in Liljann verliebt hat. Gemeinsam machen sie sich auf, um Liljanns Bestimmung zu folgen, doch Volok ist nicht der, der er vorgab zu sein, sodass Liljanns glückliche Ehe bald zu einem Albtraum mutiert. Währenddessen lebt Tajann ihre Liebe im Palast aus, ein gefährliches Unterfangen, denn ihr Geliebter ist bereits mit einer anderen verlobt. Um dem Feuertod, der auf dieses Verbrechen folgt, zu entgehen, bricht Tajann mit ihren Geliebten und seinen Anhängern ins Grauland auf und trifft dort auf ihre Schwester, die sie einst verraten hat. Zusammen verbarrikadieren sie sich in einem uralten magischen Palast, ohne zu ahnen, dass das wahrhaft Böse, das Totenwesen, dort lauert. 

Das Buch wird abwechselnd aus Liljanns und Tajann Perspektive in der Ich-Form erzählt, jeweils in unterschiedlichen Schriftarten und verschiedenen Zeitformen, sodass ich keine Schwierigkeiten hatte, beiden Handlungssträngen zu folgen. Anfangs fiel es mir jedoch schwer, in die Geschichte hineinzufinden. Die Fantasy-Welt, die Nina Blazon erschaffen hat, ist sehr komplex, sodass ich eine Weile gebraucht habe, um Bräuche und Traditionen, das Regierungssystem und die Vorgeschichte des Landes Taris sowie die zahlreichen neuen Begriffe und Wesen unter einen Hut zu kriegen. Es handelt sich hierbei um ein Buch, dass man sehr aufmerksam lesen sollte, mit möglichst wenig Pausen. Nach wenigen Kapiteln hat mich der grandiose Schreibstil und die spannende Handlung beider Protagonistinnen in ihren Bann gezogen. 

Besonders gefallen hat mir, dass die Geschichte an vielen verschiedenen Orten spielt. Anfangs lernt man die Lebensumstände der beiden Jägerstöchter und den Palast von Lady Jamala kennen. Später findet sich der Leser gemeinsam mit Liljann im Grauland wieder, wo sie einige Zeit bei einem Clan von Wildlingen mitten im Wald lebt (Ureinwohner von Taris, bevor Lady Jamala das Land erobert hat). Schließlich landen beide Schwestern im verfluchten Palast, wo die schwarzen Rosen ins Spiel kommen. 

Problemlos konnte ich mich in beide Schwestern hineinversetzen, obwohl sich beide im Wesen nicht ähneln. Anfangs mochte ich den Handlungsstrang von Liljann lieber, die an Magie und Totenwesen glaubt, während Tajann sich den Kopf von einem Mann verdrehen ließ. Später jedoch habe ich Tajann so sehr ins Herz geschlossen, dass ich am Ende um sie geweint habe, was mir nur sehr selten beim Lesen passiert. Das Ende der Geschichte ließ mich fassungslos zurück. Ich musste mich enorm zusammenreißen, um wieder in die Realität zu finden, da mich das Buch emotional so mitgenommen hat. Alle Andeutungen hatten plötzlich einen Sinn, alle Puzzleteile fanden ihren Platz, sodass ich große Lust habe, das Buch in Kürze mit den neuen Erkenntnissen erneut zu lesen. 

Auch die Romantik kommt nicht zu kurz. Denn nicht nur Tajann findet die Liebe, auch Liljann verliebt sich Hals über Kopf, jedoch in einen ganz unerwarteten Kandidaten. Nina Blazon gelang es wieder einmal, mich in die Irre zu führen. In diesem Roman ist nichts so, wie es scheint. Fast das ganze Buch über habe ich auf dem falschen Dampfer gesessen, konnte die Bösen nicht von den Guten unterscheiden und wurde schließlich mit der Auflösung total überrumpelt. 

"Der Winter der schwarzen Rosen" ist der vierte Band einer Reihe, die in derselben von Nina Blazon erschaffenen Welt spielt, kann jedoch unabhängig von "Faunblut", "Ascheherz" und "Der dunkle Kuss der Sterne" gelesen werde. Ich empfehle jedoch, die drei Vorgänger trotzdem zu lesen, da es ungeheuren Spaß macht, die Andeutungen auf einige alte Bekannte zu enträtseln. 

Fazit
Dieses Buch kann man nur als Meisterwerk der Fantasy bezeichnen und hat verdient den Phantastik-Preis SERAPH gewonnen. Gespickt mit Andeutungen und Rätseln führt das Buch den Leser in die Irre, um ihn am Ende sprachlos zurückzulassen. Allgegenwärtige Spannung, zwei facettenreiche Schwestern im Kampf um die wahre Liebe und eine ausgeklügelte Fantasywelt voller Magie, Monster und Gefahren machen das Lesen zu einem Abenteuer der besonderen Art. 




Kommentare:

  1. Hallo liebe Violetta,

    hui, irgendwie war mir nicht so klar, dass die Romane alle zusammenhängen, bis dato dachte ich, das wären alles tital Stand-Alones. xD Aber danke für die Info.
    Ich habe vor Eeeeewigkeiten mal "Faunblut" gelesen, danach aber irgendwie nie wieder was von der Autorin. (Außer "Totenbraut", glaube ich jedenfalls, das ist auch schon ewig her.) Ihr Stil klingt schon ein wenig speziell, was mich einerseits total fasziniert, andererseits darüber nachdenken lässt, ob ich mich da ranwagen sollte, zumal auch die Geschichten äußerst ungewöhnlich sind. Vielleicht fang ich einfach damit an, irgendwann mal "Faunblut" nochmal zu lesen. ^^

    Liebe Grüße,
    Dana

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    1. Hallo liebe Dana,

      dass die vier Romane zusammenhängen, habe ich irgendwann in einem Interview gelesen. Es ist zwar unterhaltsam, wenn man Figuren und Gegebenheiten aus "Faunblut" und Co. wiedererkennt, aber kann die Romane auch unabhängig voneinander lesen, das tut dem Verständnis keinen Abbruch.

      "Faunblut" und "Totenbraut" gehören zu meinen Lieblingsromanen, aber bisher konnten mich alle Bücher dieser Autorin überzeugen (mittlerweile habe ich 15 ihrer Werke gelesen). Gerade der besondere Schreibstil macht ihre Geschichten zu etwas Unvergleichlichem. "Der Winter der schwarzen Rosen" ist meiner Meinung nach bisher ihr bestes Werk.

      Liebe Grüße
      Violetta

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