Rezension: Tschick

Violetta Leiker | Dienstag, 10. Oktober 2017 |

Buchtitel: Tschick
Autor: Wolfgang Herrndorf
Verlag: Rowohlt
Seiten: 256
Format: Taschenbuch
Preis: 9,99 €





Klappentext
Mutter in der Entzugsklinik, Vater mit Assistentin auf Geschäftsreise: Maik Klingenberg wird die großen Ferien allein am Pool der elterlichen Villa verbringen. Doch dann kreuzt Tschick auf. Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow, kommt aus einem der Asi-Hochhäuser in Hellersdorf, hat es von der Förderschule irgendwie bis aufs Gymnasium geschafft und wirkt doch nicht gerade wie das Musterbeispiel der Integration. Außerdem hat er einen geklauten Wagen zur Hand. Und damit beginnt eine Reise ohne Karte und Kompass durch die sommerglühende deutsche Provinz, unvergesslich wie die Flussfahrt von Tom Sawyer und Huck Finn.

(Quelle: Rowohlt)


Meine Meinung
Maik ist ein Außenseiter, weder Klassenkameraden noch seine große Liebe Tatjana nehmen ihn zur Kenntnis, bis Tschick auftaucht, eigentlich Andrej Tschichatschow. Der "Russe" findet ebenfalls keinen Anschluss und fährt in den Sommerferien spontan bei Maik vorbei. Gemeinsam entschließen sie, Urlaub in der Walachei zu machen. Einziger Anhaltspunkt: Süden. Während ihrer Reise quer durch Ostdeutschland begegnen sie allerlei merkwürdigen Menschen und erleben manch ein Abenteuer. Maik, der Langweiler, findet nicht nur Freunde fürs Leben, sondern auch zu sich selbst. 

Der Einstieg in die Geschichte fiel mir schwer, was zum einen am Schreibstil des Autors lag. Die Geschichte wird von Maik aus der Ich-Perspektive erzählt. Der Stil ist sehr jugendlich, so als würden sich 14-Jährige tatsächlich unterhalten, inklusive grammatikalischen Fehlern. Mich, als Perfektionistin, hat es anfangs gestört, irgendwann habe ich mich jedoch daran gewöhnt. 

Es dauert mehrere Kapitel, bis tatsächlich etwas passiert. Die ersten Kapitel behandeln hauptsächlich Erinnerungen aus Maiks Leben mit sinnlosen Details, die nichts zur Sache tun, sodass ich diese nur überflogen habe. Auch der spätere Verlauf der Handlung war in meinen Augen ereignislos und öde. Ich habe ständig darauf gewartet, dass etwas Spannendes geschieht oder das Buch wenigstens durch ein fulminantes Ende glänzt. Fehlanzeige. Ich habe nur weitergelesen, weil ich ein spektakuläres Ende erwartet habe. 

Maik ist nicht nur im Buch ein Langweiler, seine Person hat mich tatsächlich auch als Romanfigur gelangweilt. Ständig berichtet er von Dingen, von denen er sowieso nichts versteht, sodass man diese doch auch einfach hätte weglassen können. 

Tschick ist auch nicht interessanter. Ein Klischee auf zwei Beinen mit schlecht recherchiertem Hintergrund. Ein deutschstämmiger Russe, mit einem russisch klingendem Nachnamen, aber asiatischen Gesichtszügen? Da ich selbst deutschstämmig bin und 1990 in der ehemaligen Sowjetunion geboren bin, hat mich das sehr gestört. Wenn Tschick tatsächlich deutschstämmig wäre, wie sein Lehrer behauptet, dann müsste seine Mutter die mit den deutschen Wurzeln und der Vater aufgrund des Nachnamens russischer Abstammung sein, aber woher kommen dann die "mongolischen" Gesichtszüge? Leider hat der Autor auch nicht Halt davor gemacht, dem "Russen" eine Alkoholfahne anzuhängen. Das Klischee, dass alle Russen ständig berauscht sind, wurmt mich ziemlich, da ich es nicht leiden kann, wenn ein ganzes Volk in eine Schublade gesteckt wird.

Fazit
Unspektakuläre Handlung, langweilige Charaktere und Dialoge, merkwürdiger Schreibstil und unbefriedigendes Ende. Wider Erwarten gab es weder lustige noch traurige Szenen. Ein Buch, das ich weder weiterempfehlen, noch ein zweites Mal lesen würde. 




Kommentare:

  1. Hallo liebe Violetta,

    ich hab dieses Buch damals auch vor allem wegen der Bekanntheit gelesen und warm im Endeffekt auch nicht mitgerissen davon. Wie du sagst, die Handlung ist einfach nicht sonderlich spannend. Stattdessen hatte ich eher das Gefühl, die perfekte Schullektüre vor mir zu haben, mit zig angesprochenen Themen, über die man diskutieren könnte, betont, aber für meinen Geschmack übertrieben jugendlich gehalten ... Es war ganz nett, aber nichts herausragendes.

    Liebe Grüße :)

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    1. Hallo Dana,

      ich war leider regelrecht am Ende enttäuscht. Ich hatte wirklich mit einem heftigen Ende gerechnet, weil der Rest schon langweilig war und am Anfang des Buches so viele Pressestimmen behaupten, dass es ein sehr emotionaler Roman ist, zum Weinen und Lachen. Leider musste ich weder das eine noch das andere. Mich hat die Geschichte in keinster Weise berührt. Wenigstens konnte ich damit eine Challenge-Aufgabe abhaken :)

      Liebe Grüße
      Violetta

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  2. Hey Violetta,
    Ich musste das Buch für die Schule lesen und war ebenfalls enttäuscht. Der gewollt jugendliche Schreibstil hat mich dabei am meisten gestört, da ich als 14-jährige eindeutig nicht bestätigen kann, dass sich Jugendliche diesen Alters so unterhalten. Komischer weise fanden meine Mitschüler das Buch gar nicht so schimm, da merkt man einfach, wie wenig Ansprüche schon an Schullektüren gestellt werden. Also mir hat bis jetzt noch keine so wirklich gefallen...
    Lieben Grüße
    Neetje

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    1. Hi Neetje,

      der jugendliche Schreibstil hat mich anfangs sehr irritiert und ich bezweifle auch, dass Jugendliche tatsächlich so reden. Mir hat auch keine einzige Schullektüre gefallen. "Der Vorleser" fand ich allerdings am schlimmsten.

      Liebe Grüße
      Violetta

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  3. Hey Violetta,

    Ich muss sagen, dass dein Blog wirklich wunderschön ist!
    Da bleibe ich sehr gerne Leserin. :)

    Liebe Grüße
    Zeki

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    1. Hallo Zeki!

      Vielen Dank! Das schöne Design habe ich der lieben Ines zu verdanken. Vielleicht kennst du ja ihr Blog "The Call of Freedom and Love".

      Liebe Grüße
      Violetta

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