Rezension: Morgentau - Die Auserwählte der Jahreszeiten

Violetta Leiker | Dienstag, 11. Juli 2017 |

Titel: Morgentau - Die Auserwählte der Jahreszeiten
Autor/in: Jennifer Wolf 
Verlag: Carlsen
Seiten: 272
Format: Taschenbuch
Preis: 7,99 €





Klappentext
Die Erde liegt unter einer dicken Schneedecke, Eis und Kälte herrschen überall. Nur noch ein kleiner Landfleck ist bewohnbar, wo die Erdgöttin Gaia die letzten ahnungslosen Menschen angesiedelt hat. Hier lebt auch Maya Jasmine Morgentau, eine der göttlichen Hüterinnen. Alle hundert Jahre wird unter ihnen eine Auserwählte dazu bestimmt, das Gleichgewicht der Natur aufrechtzuerhalten. Sie darf die vier besonderen Söhne der Gaia kennenlernen, den Frühling, den Sommer, den Herbst und den Winter. Für einen muss sie sich entscheiden und sich ein Jahrhundert an ihn binden. Doch jeder der Söhne hat seine Stärken und Schwächen. Sollte Maya die Auserwählte werden, für wen würde sie ihr Leben hergeben? (Quelle: Carlsen) 


Meine Meinung
Ca. 1000 Jahre in der Zukunft: Die Erde ist beinahe überall unbewohnbar. Maya Jasmine Morgentau, ein sechzehnjähriges Mädchen, lebt mit ihrer Mutter und den anderen Hüterinnen in einer der wenigen bewohnbaren Regionen, über die die Göttin Gaia ihre schützende Hand hält. Als Maya von Gaia als potentielle Frau für einen ihrer Söhne erwählt wird, ändert sich ihr Leben völlig. Sie lebt fortan in Gaias göttlichem Palast und verbringt ihre Zeit mit vier Halbgöttern, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Sie hat je eine Woche Zeit, den Frühling, den Sommer, den Herbst und den Winter kennenzulernen, dann muss die Entscheidung fallen. Doch hat sie sich einmal entschieden, gibt es kein Zurück mehr. Gerade derjenige, an den Maya ihr Herz verliert, stößt sie von sich, sodass sie einen schwerwiegenden Fehler begeht ... 

Das nur 272 Seiten dicke Taschenbuch ist in der Ich-Perspektive geschrieben, sodass man hautnah miterlebt, was in Maya vorgeht. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und man fliegt förmlich durch die Seiten. Ein großes Manko jedoch waren die unzähligen Interpunktionsfehler, die mich (als Grammatik-Perfektionistin) aus dem Lesefluss gerissen haben. Es fehlen in beinahe jedem Satz Kommata, was jedoch dem Lektorat des Verlags zuzuschreiben ist und nicht der Autorin. 

Die Geschichte beginnt nach einem kurzen Prolog mit der Auswahl, in der Maya von Gaia auserkoren wird. Das Leben im Orden der Hüterinnen unterscheidet sich stark vom Palast der Göttin und den Lebensräumen ihrer vier Söhne. Hier beweist die Autorin Fantasie und Kreativität und erschafft mit ihren Beschreibungen eine wundersame Welt, die ich gerne mit eigenen Augen gesehen hätte. 

Leider hat mich das Genre, das die Autorin gewählt hat, irritiert. Ich habe mit einem High-Fantasy-Roman gerechnet. Dass die Geschichte aber ca. 1000 Jahre in der Zukunft unserer Realität spielt und es sogar Kopfhörer gibt, konnte ich mit den fantastischen Elementen nicht in Einklang bringen. Die Mischung aus Dystopie und Fantasy empfand ich als unpassend. Ein reines High-Fantasy-Buch wäre meiner Meinung nach sinnvoller gewesen. 

Maya ist eine sympathische Protagonistin, in die ich mich gut hineinversetzen konnte. Da das Buch relativ schmal ist, kamen jedoch alle Figuren ein wenig zu kurz. Gerade, als ich mich an die Welt und die Charaktere gewöhnt hatte, war die Geschichte vorbei. Man hat kaum Gelegenheit, Avis, Jesien, Sol und Nevis, Gaias Söhne, kennenzulernen. Die vier Halbgötter und auch Mayas Mutter und ihre beste Freundin Iria waren mir etwas zu blass. 

Die Liebe zwischen Maya und einem der Halbgötter entwickelte sich für meinen Geschmack zu schnell. Nach nur einem oder zwei Tagen von der wahren Liebe des Lebens zu sprechen, erscheint mir sehr naiv. Nach einer so kurzen Zeit können sich zwei Personen höchstens sympathisch finden oder füreinander schwärmen. Wahre Liebe braucht Zeit, um zu reifen. 

Das Ende des Buches war sehr unerwartet. Ich habe mich während des Lesens die ganze Zeit gefragt, wie die Autorin die Zwickmühlensituation, in der Maya und ihr Erwählter stecken, auflösen will - und bin mit dem Finale mehr als zufrieden.

Fazit
Die Geschichte um die vier Jahreszeiten ist innovativ und sprüht vor Fantasie. Leider konnte ich aufgrund des geringen Buchumfangs kaum mit den Figuren warm werden. Abgesehen davon empfand ich den Genre-Mix Dystopie/Fantasie irritierend und wurde durch die unzähligen Interpunktionsfehler ständig aus dem Lesefluss gerissen. Trotz allem hat mich die außergewöhnliche Geschichte gut unterhalten. 

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