Rezension: Harry Potter und das verwunschene Kind

Violetta Leiker | Montag, 19. Juni 2017 |

Titel: Harry Potter und das verwunschene Kind
Autor: J. K. Rowling
Verlag: Carlsen
Seiten: 336
Format: Hardcover
Preis: 19,99 €





Klappentext
Es war nie leicht, Harry Potter zu sein - und jetzt, als überarbeiteter Angestellter eines Zaubereiministeriums, Ehemann und Vater von drei Schulkindern, ist sein Leben nicht gerade einfacher geworden. Während Harrys Vergangenheit ihn immer wieder einholt, kämpft sein Sohn Albus mit dem gewaltigen Vermächtnis seiner Familie, mit dem er nichts zu tun haben will. Als Vergangenheit und Gegenwart auf unheilvolle Weise miteinander verschmelzen, gelangen Harry und Albus zu einer bitteren Erkenntnis: Das Dunkle kommt oft von dort, wo man es am wenigsten erwartet.


Meine Meinung
Nein! Leider hat J. K. Rowling keine Fortsetzung der Harry-Potter-Romane im eigentlichen Sinne geschrieben. Stattdessen ist das Skript für ein Theaterstück entstanden, das uns Einblick in die neue Weltordnung gibt, die nach Voldemorts Tod entstanden ist. 

Albus Severus Potter, Harrys zweiter Sohn, den wir bereits als Elfjährigen aus "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" kennen, übernimmt das Zepter gemeinsam mit seinem besten Freund. Doch leider hat sich die Vater-Sohn-Beziehung zwischen Albus und Harry nach wenigen Schuljahren erheblich verschlechtert. Es ist nun einmal nicht leicht, im Schatten eines weltberühmten Vaters zu stehen, für den die Schule kein Horror, sondern die schönste Zeit des Lebens war. Doch Harrys Entscheidungen in seiner Vergangenheit haben auch viel Leid gebracht, findet Albus, und entschließt sich, einige der Fehler seines Vaters wiedergutzumachen - mit ungeahnten Konsequenzen für die gesamte Zaubererwelt ... 


Das Buch ist nicht in Kapitel, sondern in zwei Teile gegliedert. Diese bestehen aus vier Akten, und die wiederum sind in Szenen gegliedert. Am Anfang lernen wir Albus als Elfjährigen kennen, doch schnell verwandelt er sich in einen dickköpfigen Teenager. Da es sich um ein Theaterskript handelt, ist die gesamte Geschichte um das verwunschene Kind in Dialogen dargestellt, was anfangs gewöhnungsbedürftig ist. Die meisten dieser Dialoge finden zwischen Albus und Scorpius statt, hin und wieder tauchen aber auch Szenen auf, die uns Einblick in Harrys, Ginnys, Rons und Hermines Erwachsenenleben geben. 


Ich muss gestehen, dass ich mich riesig darauf gefreut habe, zu erfahren, was sich J. K. Rowling für ihre Schützlinge ausgedacht hat - und leider schwer enttäuscht wurde. Mir war von Anfang an bewusst, dass man zu den Figuren keine so großartige Beziehung aufbauen kann, wie es bei den Romanen der Fall war, aber dass weder Harry, Ginny, Ron, Hermine und Draco wiederzuerkennen sind, hatte ich nicht erwartet. Die Dialoge zwischen meinen nun erwachsenen Lieblingsfiguren sind platt und unspektakulär. Krampfhaft hat die Autorin versucht, Ron als Witzbold darzustellen, was ihr ordentlich misslang. Aus Harry wurde ein verbitterter Spießer und Hermine hat sich in ihr herrisches Ich aus dem ersten Harry-Potter-Band zurückverwandelt. 


Die schlimmste Enttäuschung stellt allerdings die Handlung selbst dar. Die neue Gefahr, die der Zaubererwelt droht, stellt einen Widerspruch zu der Harry-Potter-Heptalogie dar. Da ich die Bücher wahrscheinlich um die 20 Mal gelesen habe und sie mittlerweile in- und auswendig kenne, fand ich Entstehung des neuen Bösewichts höchst unrealistisch - ja, sogar für das Genre Fantasy. 


Fazit
Leider hat mich dieser Theaterskript schwer enttäuscht. Blasse Charaktere, langweilige Dialoge (obwohl das gesamte Buch aus Dialogen besteht!), eine unrealistische Handlung und einige gravierende Logikfehler lassen mich wünschen, dieses Skript nie gelesen zu haben, um mir weiterhin eine Fortsetzung der grandiosen Harry-Potter-Heptalogie vorstellen zu können. J. K. Rowlings Vorstellung von einer Welt nach Voldemorts Tod konnte mich leider in keinster Weise zufriedenstellen. Für ein paar überraschende Wendungen und Einblick in die Zeit, als Harry noch ein Baby war, vergebe ich zwei von fünf Traumfängern. 

Kommentare:

  1. Hallo liebe Violetta,

    ehrlich gesagt habe ich von Anfang an beschlossen, dass ich dieses Buch auf keinen Fall lesen werde. Ich versteh auch immer noch nicht, warum eine Reihe, die mittlerweile eine Art Sonderstatus innehat, noch eine Fortsetzung braucht, die dann die Macht hat, alles zu zerstören. HP war perfekt abgeschlossen, eine weitere Fortsetung holt die Reihe ein wenig von ihrem Sonderstatus runter und riskiert, diesen kaputtzumachen.
    Und gerade die kritischen Meinungen wie deine bestätigen mich in dieser Ansicht.
    Wie gesagt, ich sehe da auch einfach keinen Sinn hinter. Weshalb ich es auch nicht lesen werde.

    Liebe Grüße :)

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    1. Liebe Dana,

      ich bin nur froh, dass man dieses Skript nicht als richtige Fortsetzung bezeichnen kann. Schließlich ist es kein Roman. Auf jeden Fall versäumst du nichts, wenn du es nicht liest. Ich werde einfach so tun, als hätte ich es nie gelesen.

      Liebe Grüße

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