Rezension: Unter den drei Monden

Violetta Leiker | Donnerstag, 4. Mai 2017 |


Buchtitel: Unter den drei Monden
Autor: Ewa A.
Verlag: Dark Diamonds
Seiten: 515
Format: eBook
Preis: 4,99 €





Klappentext
Die 19-jährige bildhübsche Kadlin ist die einzige Tochter des Stammeshäuptlings der Smar. Keine leichte Rolle für eine fast erwachsene Frau, die nach den Regeln ihres Volks längst verheiratet sein sollte. Doch anstatt dass sie sich wie alle anderen Mädchen auf dem Sonnenfest nach einem Mann umsehen darf, wurde ihre Hand bereits dem Stammessohn der herrschsüchtigen Ikol versprochen. Eigensinnig wie sie ist, geht sie dennoch hin, um dort den einzigen Mann zu umgarnen, der ihr Schicksal wenden könnte: Bram, den stattlichen Kriegersohn des Feindesstamms. Allerdings läuft nicht alles nach Plan und ehe sich Kadlin versieht, muss sie als Knabe verkleidet flüchten. Dabei landet sie ausgerechnet in Brams Trainingslager, wo dieser junge Krieger auf ihre Mannesprüfung vorbereitet…

Meine Meinung
Entdeckt habe ich das Buch auf einem Blog, an dessen Gewinnspiel ich teilgenommen, aber leider nicht gewonnen habe. Da der Klappentext und das wunderschöne Cover meine Neugierde geweckt hatten, kaufte ich mir das vom kürzlich gegründeten Imprint des Carlsen Verlags, Dark Diamonds, verlegte eBook, dessen Zielgruppe erwachsene Leser sind.

Der Einstieg in die Handlung fiel mir nicht schwer und obwohl von Anfang an viele unbekannte Begriffe auf mich einströmten, hatte ich Freude daran, Aret, die Welt unter den drei Monden, zu erforschen. Die Autorin erschuf ein sagenhaftes Paralleluniversum, in dem verfeindete und verbündete Stämme zwischen facettenreicher Flora und Fauna zu Hause sind.

Schon nach wenigen Seiten fand ich mich auf dem Fastmö wieder, einem Fest, bei dem die männlichen Mitglieder aller Stämme auf Brautschau gehen. Doch Kadlin ist bereits Hadd versprochen, einem skrupellosem Ikol, der Frauen wie Abschaum behandelt. Aus Furcht, als eine seiner vielen Frauen zu enden, entwickelt Kadlin mit ihrer Freundin Lijüfe einen Plan, der allerdings gründlich schiefgeht, sodass die beiden jungen Frauen, getarnt als Jungen eines anderern Stammes, fliehen und ausgerechnet in einem Trainingslager fernab von Zuhause landen. Bram, Häuptlingssohn der verfeindeten Unaru, bildet Kadlin und Lijüfe zu Kriegern aus, indem er ihnen und weiteren Jungen gefährliche Aufgaben aufträgt. Nach und nach verliebt sich die Häuptlingstochter in den gutaussehenden Unaru, ihre Gefühle jedoch bedrohen nicht nur ihr Leben, sondern auch den Frieden Arets.

Die Handlung ist durchweg spannend. Kadlin, Lijüfe, Bram und die anderen Jungen stürzen von einem Abenteuer ins nächste, sodass der Leser kaum Zeit zum Luftholen findet. Die blutrünstigen Bestien und tückischen Pflanzen, gegen die die Helden kämpfen müssen, habe ich so noch in keinem Fantasyroman kennengelernt.

Obwohl mir Handlung und Weltenaufbau sehr gefallen haben, wurde ich weder mit dem Schreibstil der Autorin noch mit den Charakteren warm. Die Dialoge wirkten in an vielen Stellen gestelzt und die Wortwahl passte eher in einen modernen Jugendroman, statt in einen High-Fantasy-Roman, sodass ich häufig aus der Illusion gerissen wurde. Kadlin handelt in meinen Augen recht oft irrational und hat einen zickigen und wehleidigen Charakter. In Zeiten größter Gefahr flammen lüsterne Gedanken in ihr auf, wenn sie Bram betrachtet, obwohl ihr Leben und das ihrer Freunde auf dem Spiel steht, was unangemessen sowie unrealistisch ist. Auch wenn der Roman erwachsene Leser ansprechen soll, sollten Erotik und Romantik zur Situation passen. Bram ist in dieser Hinsicht nicht besser als Kadlin. Dass die beiden sich ineinander verlieben, drang nicht zu mir durch. Klar war nur, dass sie sich körperlich anziehend finden. Lijüfe und Dagur, Brams Waffenbruder, benehmen sich wie hormongesteuerte Jugendliche, die mich durch ihre mangelnde Intelligenz schnell ermüdeten. Da Figuren, in die ich mich hineinversetzen kann, und realistische Dialoge für mich das A und O in einem Roman sind, wurde ich leider bitterböse enttäuscht. Dieser Roman hatte großes Potential, das leider größtenteils vergeudet worden ist. 


Fazit
Großes Lob gibt es von mir für die facettenreiche und fantastische Welt, die die Autorin erschaffen hat. Leider war mir weder Kadlin noch eine andere der Figuren sympathisch. Die Handlungen und Entscheidungen der Charaktere waren unrealistisch und unangemessen, sodass ich mich irgendwann überwinden musste, das Buch überhaupt weiterzulesen. Trotzdem kann ich mir vorstellen, dass dieser Fantasy-Roman anderen Lesern durchaus gefallen könnte, da die Handlung spannungsgeladen und abwechslungsreich ist. Mit halbwegs intelligenten Charakteren darf jedoch nicht gerechnet werden. Ich vergebe drei von fünf Traumfängern für die sagenhafte Kreativität der Autorin. 

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