Meine Lesezeitfresser

Violetta Leiker | Montag, 29. Mai 2017 |



Peinlich. Es gibt kein anderes Wort dafür als peinlich. Wie konnte mir das nur passieren? Jemand, der Lesen als sein größtes Hobby bezeichnet und sich selbst als Leseratte, liest nur läppische 13 Bücher in fast 5 Monaten? Wobei ich "Schattenthron - Das Mädchen mit den goldenen Augen" von Angelika Diem und "Der dunkle Kuss der Sterne" von Nina Blazon noch gar nicht beendet habe ... Aber auch mit der Lesestatistik aus 2016 kann ich nicht prahlen. 47 Bücher. Ich habe auf Seiten von Bloggerinnen gestöbert, die mit Leichtigkeit über 100 Bücher im Jahr lesen, was im Schnitt 2 Romane pro Woche bedeutet. Wie schaffen es diese Menschen, so ein gewaltiges Pensum zu bewältigen? Sind sie im Besitz einer Zeitmaschine? Verzichten sie aufs Schlafen und Essen? Oder haben sie einen besonderen Trick, der sie bei der Stange hält?


Natürlich kenne ich auch die Gründe für meine erbärmliche Lesestatistik (welche nichts weiter als faule Ausreden sind):

1. Vollzeittätigkeit (von 8:00 Uhr bis 17:00 Uhr) im Büro,
2. Fernstudium (Lesen von Studienheften, Bearbeiten von Kontroll- und Einsendeaufgaben),
3. Teilnahme an Verlagsausschreibungen (Entwerfen, Schreiben und Überarbeiten von Kurzgeschichten),
4. Blogaktivitäten,
5. Serien.

Zum Glück sind einige dieser Punkte bald Geschichte.

1. Tschüß, Arbeit - Hallo, Baby!
Ich habe genau noch einen Tag zu arbeiten (heute), dann werde ich erst in den Erholungsurlaub und hinterher für drei Jahre in Elternzeit verschwinden. Natürlich wird mich der kleine, quengelnde Grund für meine Arbeitspause ganz schön auf Trab halten, dennoch denke ich, dass meine Lesestatistik in den kommenden Jahren, wenn ich mich in den heimischen vier Wänden befinde, aufblühen wird.

2. Fernstudium - Ende in Sicht!
Mein Fernstudium endet mit Ablauf des Monats September 2017. Bis dahin habe ich aber noch einen weiten Weg vor mir. Fünf Studienhefte müssen noch komplett gelesen und verinnerlicht werden. In jedem der Hefte ist auch noch eine Aufgabe zu bewältigen, die ich zur Benotung einreichen muss. Meist handelt es sich um eine Kurzgeschichte, hin und wieder aber auch um die Planung eines gesamten Romans, sodass ich manchmal mehrere Monate an einer Aufgabe sitze, bis der berüchtigte Gedankenblitz einschlägt. Umso konsequenter ich also an meinen Aufgaben arbeite, desto schneller kann ich das Studium beenden und mich dann den schöneren Dingen des Lebens widmen. Wer jetzt denkt, ich bereue es, das Fernstudium begonnen zu haben, irrt sich - nach dreieinhalb Jahren und einer gewaltigen neu gewonnenen Portion Selbstvertrauen wünsche ich mir bloß mehr Zeit, um das zu schreiben, was ich will, und nicht, was mir vorgeschrieben wird.

3. Die Jagd nach Veröffentlichungen
Die Teilnahme an Verlagsausschreibungen gehört selbstverständlich nicht zu meinen Pflichten. Leider lenken mich diese trotzdem ab, da in mir der Wunsch brennt, eine weitere Kurzgeschichte bei einem Verlag zu veröffentlichen. Wenn mir das Entwickeln einer neuen  Geschichte bloß nicht so viel Spaß machen würde - auch wenn ich sie meistens nicht zu einem Abschluss bringe und der Verlag sie nie zu Gesicht bekommt ... Mittlerweile notiere ich mir Ausschreibungen in einer Liste, entscheide dann aber kurzfristig, ob ich mehrere Wochen meiner Zeit dafür opfern will. Oft ist diese Entscheidung nicht nur zeitabhängig, sondern hängt auch mit meinem aktuellen Gemütszustand zusammen.

4. Blog - Zeitverschwendung?
Auch das Bloggen ist ein gewaltiger Zeitfresser. Statt Studienaufgaben zu bearbeiten, ein paar Bücher von meinem SuB zu befreien oder mich dem Schreiben zu widmen, verbringe ich meine Zeit genau hier. Lustige Tags, spannende Blogbeiträge, das ständige Nachsehen, ob ich einen neuen Kommentar bekommen habe oder jemand Gefallen an meinem Blog gefunden hat und nun als Follower bleiben will ... Der Blog hat sich zu einer regelrechten Sucht entwickelt, was mir ein wenig Angst macht. Mehrmals täglich rufe ich diese Seite auf, stöbere bei anderen Bloggern oder entwerfe künftige Beiträge. Zudem beschäftige ich mich zunehmend mit dem Gestalten von Logos und Bannern für die Beiträge, was einen enormen Aufwand für mich bedeutet, da ich nie gelernt habe, mit Bildbearbeitungsprogrammen zu arbeiten. Trotz allem will ich das Bloggen nicht mehr missen. Der Austausch mit Gleichgesinnten, das Führen von Statistiken und Listen, das Grübeln über neuen Beiträgen - das alles macht einfach zu viel Spaß. Ich muss nur an meiner Disziplin arbeiten, damit der Blog nicht meine gesamte Freizeit frisst. Außerdem glaube ich, dass diese "Sucht" sich nach und nach legen wird.

5. Serienjunkie? Ich doch nicht!
Obwohl ich das Schauen von Serien enorm reduziert habe, gibt es Phasen, an denen ich nichts anderes tue. Nur noch eine weitere Folge, jetzt nur noch eine, nach der nächsten ist Schluss - wer kennt diese Lügen nicht? Plötzlich ist der Tag verflogen und man hat tatsächlich nichts anderes getan als vor der Glotze zu hängen. Zumindest weiß ich jetzt, welche Serien Zeitfresser sind: Die koreanischen oder thailändischen sind die Übeltäter, die mich nicht in Ruhe lassen, ehe ich nicht alle vollkommen verschlungen habe. Also lasse ich jetzt meine Finger bzw. meine Augen davon. Jedenfalls vorübergehend.

Wie gelingt es euch, die Zahl eurer gelesenen Bücher pro Jahr auf einem hohen Level zu bewegen? Motivieren euch Statistiken? Setzt ihr euch Ziele, wie viele Bücher ihr in welchem Zeitraum gelesen haben müsst? Oder verzichtet ihr auf andere Hobbys wie Serien,  Freiluftaktivitäten, etc., um sich lieber mit einem Buch auf dem Sofa zu fläzen?


Kommentare:

  1. "Läppische 13 Bücher in fast 5 Monaten"? Deine Ansprüche sind aber auch nicht ohne. xD
    Ich meine, ich habe tatsächlich dieses Jahr so ziemlich genauso viele Bücher gelesen wie du. Generell schaffe ich manchmal auch nur zwei, drei, vier Bücher in einem Monat, aber genaugenommen habe ich auch keinen Anspruch, möglichst viel zu lesen. Lesen ist für mich Entspannung, nichts, was ich erzwingen will, kein Wettrennen, kein Kampf um die meisten gelesenen Bücher, stattdessen widme ich lieber jedem Buch die Zeit, die es verdient. Und wenn ich dann mal keine Zeit habe, dann lese ich eben nicht.

    Natürlich bin ich jedes Mal beeindruckt, wenn ich Blogger sehe, die locker weit über 100 Bücher im Jahr lesen. Aber ich habe auch andere zeitraubende Hobbys (was nicht heißen soll, dass andere Blogger das nicht haben) und ich leite daraus trotzdem nicht den Druck ab, irgendein Ziel zu erfüllen. Natürlich wünschte ich mir manchmal, mehr Zeit zum Lesen zu haben, aber nicht, um irgendeine Statistik zu erfüllen, sondern einfach aus Spaß am Lesen.
    Somit stelle ich auch keine anderen Hobbys fürs Lesen gezielt zurück. Umgekehrt entsage ich dann aber auch mal für einen Tag vollkommen dem Laptop (der wirklich ein böser Zeitfänger ist) und lese einfach. Um runterzukommen.

    Wobei du Recht hast, das Bloggen nimmt wirklich viel Zeit in Anspruch. Nicht mal das Schreiben von Posts selbst, sondern eben vor allem der Austausch, das Stöbern usw. Und es gibt leider kaum bessere Prokrastination. xD

    Liebe Grüße
    Dana

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    1. Hi Dana,

      eine Statistik führe ich erst seit letztem Jahr. Es geht mir hierbei auch nicht darum, eine bestimmte Quote zu erfüllen, sondern mich endlich den vielen tollen Geschichten zu widmen, die ich noch nicht kenne. Mein SuB wächst und wächst, über 50 Bücher müssen noch gelesen werden, das Regal platzt aus allen Nähten. Eine Lesestatistik habe ich nur aus Neugierde begonnen, wie viele Bücher ich pro Jahr lese OHNE Druck. Auch jetzt mache ich mir keinen Druck beim Lesen, die ungelesenen Bücher winken mir bloß so verführerisch aus meinem Regal zu ...

      Auch beim Bloggen versuche ich mir keinen Druck zu machen, aus Angst, eines Tages den Spaß daran zu verlieren. Trotz allem bin ich jetzt wirklich froh, zwei Monate völlig ohne Verpflichtungen zu haben - keine Arbeit und noch kein kleiner Schreihals. Nach dieser freien Zeit wird mein Leben wieder eine neue Richtung nehmen. Wie ich Baby, Bloggen, Lesen, Schreiben, Haushalt, Ehemann, etc. unter einen Hut bringen werde, weiß ich noch nicht.

      Liebe Grüße
      Violetta

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