Rezension: Ein ganzes halbes Jahr

Violetta Leiker | Donnerstag, 26. Januar 2017 |


Buchtitel: Ein ganzes halbes Jahr
Autor: Jojo Moyes
Verlag: rororo
Seiten: 520
Format: Taschenbuch
Preis: 9,99 €









Klappentext
Louisa Clark weiß, dass nicht viele in ihrer Heimatstadt ihren etwas schrägen Modegeschmack teilen. Sie weiß, dass sie gerne in dem kleinen Café arbeitet und dass sie ihren Freund Patrick eigentlich nicht liebt. Sie weiß nicht, dass sie schon bald ihren Job verlieren wird – und wie tief das Loch ist, in das sie dann fällt.
Will Traynor weiß, dass es nie wieder so sein wird wie vor dem Unfall. Und er weiß, dass er dieses neue Leben nicht führen will.
Er weiß nicht, dass er schon bald Lou begegnen wird.

Eine Liebesgeschichte, anders als alle anderen.
Die Liebesgeschichte von Lou und Will.

(Quelle: Amazon)

Meine Meinung
Louisa Clark ist alles andere als normal. Ein schwarzes Schaf in jeder Hinsicht, nichtsdestotrotz wird sie von ihrer Familie sehr geschätzt, hat einen langjährigen Freund und arbeitet fleißig im Buttered Bun, einem kleinen Café. Als das Café notgedrungen schließen muss, bleibt Lou, die nur wenig Qualifikationen auf dem Arbeitsmarkt zu bieten hat, nichts anderes übrig als den einzigen Job anzunehmen, den sie kriegen kann: Pflegehilfe für einen Tetraplegiker. Voller Furcht, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein, tritt sie ihren ersten Tag an - und lernt Will kennen, einen sarkastischen jungen Mann, der Louisa Tag für Tag das Leben schwermacht. Aber nach und nach gelingt es der stets munteren und tollpatschigen Lou, Will aus seiner Isolation und von seinem Zynismus zu befreien. Lou tut alles dafür, um ihm seinen Lebenswillen, den der Unfall und die darauf folgende Behinderung ihm genommen hat, wiederzugeben, plant Ausflug für Ausflug und tritt dabei immer wieder ins Fettnäpfchen. Lous Gefühle für ihren Arbeitgeber wachsen stetig, doch Will hütet ein schreckliches Geheimnis. Wird ihre Liebe eine Chance haben?

Dieser Roman, der als Nr.-1-Spiegelbesteller gekürt wurde, wird zum größten Teil aus Louisas Perspektive erzählt (Ich-Erzähler). Hin und wieder tauchen aber auch Kapitel aus Sicht von Mr. und Mrs. Traynor, Louisas Schwester Treena oder Nathan, Wills Pfleger, auf, sodass man nachvollziehen kann, wie die anderen Figuren über Wills Situation und Louisas Eingreifen denken. Die Geschichte beginnt mit Louisas Alltag, den man nicht anders als öde bezeichnen kann: Arbeit im Buttered Bun, ihrem Freund Patrick beim Lauftraining zusehen und hinterher Abendessen mit der Familie. Leider zog sich diese Alltagsbeschreibung meiner Meinung nach zu sehr in die Länge, sodass ich mit den ersten 100 Seiten zu kämpfen hatte. Die Handlung plätscherte ereignislos vor sich hin. Meine Erwartungen, dass der Roman Fahrt aufnehmen würde, sobald Louisa Will begegnen würde, wurde enttäuscht. Auch im Hause der Trainors erfährt man seitenweise nur, dass Louisa aus Langeweile putzt, da Will sie nicht in seiner Nähe haben will. Es war zu erwarten, dass es keine Action in dem Buch geben würde - schließlich ist Will fast vollkommen bewegungsunfähig - aber nicht einmal die Dialoge zwischen dem zynischen Will und Louisa waren spannend zu verfolgen.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr schlicht und besitzt keinerlei Wiedererkennungswert. Keine schmückenden Vergleiche oder Metaphern sind mir besonders aufgefallen. Zur Mitte des Romans nimmt die Handlung ein wenig Spannung auf, da der Schauplatz aufgrund der Ausflüge, die Lou mit Will unternimmt, ständig wechseln und sie dort das ein oder andere Abenteuer aufgrund von Wills Handicap erleben.

Dass dieser Roman als Liebesgeschichte bezeichnet wird, habe ich nicht verstanden. Das Thema ist ernst - keine Frage - aber romantische Gefühle kamen bei mir keine an. Ich konnte weder Louisas Liebe zu Will spüren, noch erkennen, dass eine emotionale Nähe zwischen ihnen bestand. Mehr als eine freundschaftliche Beziehung konnte ich zwischen den beiden nicht spüren. Auch das Ende - das viele andere Leser(innen) zu Tränen gerührt hat - hinterließ bei mir keinen bleibenden Eindruck, da ich weder eine Verbindung zu Will noch zu Lou aufbauen konnte. Beide Figuren blieben genau das, was sie sind: Romanfiguren. Es gelang mir einfach nicht, in ihre Welt einzutauchen und die Realität zu vergessen.

Fazit
Der Roman, der hauptsächlich aus Beschreibungen von Alltagshandlungen bestand, konnte mich leider nicht fesseln. Keine Spannung, unspektakuläre Dialoge, langweiliger Schreibstil und blasse Figuren führten leider dazu, dass ich mich regelrecht dazu zwingen musste, weiterzulesen. Wer jedoch ernsthafte, realistische Bücher mit einem Hauch Romantik (man darf in Sachen Liebe nicht zu viel erwarten) mag, wird hier auf seine Kosten kommen. Von mir gibt es leider nur zwei von fünf Traumfängern.

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